„Bin mal eben noch die Welt retten“ – Diskussion am PIK

Mit den Soziologen Fritz Reusswig und Lutz Meyer-Ohlendorf haben wir am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung über Jugend und Klimaschutz diskutiert. Spannend der Neubau, der einem mitten im Wald wie ein Baumhaus vorkommt (siehe Foto). Beheizt wird er von der Abwärme all der Computer, die die Leute vom PIK brauchen, um die aktuellsten Klima-Entwicklungen und deren Folgen für uns Menschen durchzurechnen.

Überraschend war, dass Herr Reusswig gleich zu Anfang behauptete: Jugendliche seien derart mit sich selber beschäftigt, derart auf das Hier und Jetzt konzentriert, mit Fragen wie „Wer bin ich? Wer sind meine Freunde?“, mit der Schule, mit Taschengeld dazu verdienen, dass sie glauben, gar keine Zeit zu haben, sich mit etwas einem so großen Gegenstand wie DER ZUKUNFT zu beschäftigen. Wie könnte man trotzdem bei uns Jugendlichen Interesse wecken, z.B. für einen Klima-Jugendkongress?

Klar, Schule und Freunde und Hobbies nehmen viel Zeit in Anspruch. Das heißt aber nicht, dass Klimaschutz keinen interessiert. Aber wie sich engagieren? Reicht es, die Heizung ein Grad runterzudrehen? Weniger Fleisch zu essen? Statt der Fernreise lieber Urlaub in Europa machen, ohne dabei zu fliegen? Oder sich wöchentlich in einer Jugendgruppe zu treffen, um dort miteinander zu diskutieren und öffentlichkeitswirksame Aktionen zu planen? Email-Aktionen verbreiten, um PolitikerInnen und Unternehmen unter Druck zu setzen, Dinge anders zu machen?

Wie krass muss die Klimakrise sich erst noch entwickeln, um aktiv(er) zu werden? Um sich die Frage „Wer will ich sein?“ selber zu beantworten mit „Ich bin ein Umdenker“, „Weltretter“ oder schlicht „Klima-Aktivist“? Wie viel Wald muss erst noch verschwinden? Wie viele Arten aussterben? Wie viel Menschen vor Dürre und Wasserknappheit flüchten und dann – paradoxerweise – im Mittelmeer ertrinken?

Stichwort Kommunikation: Wie sollte Klimaschutz „rübergebracht“ werden? Mit erschreckenden Statistiken, um „wachzurütteln“? Nach dem Motto: „Rette die Welt oder stirb!“ Oder mit gelungenen Beispielen, um Begeisterung für eine „bessere“ Welt zu wecken? „LemonAid, trinkend die Welt verändern!“ (eine faire Limonade) oder „Gratis umweltfreundlich fahren, mit Bus&Bahn“ (über kostenlosen Nahverkehr in Tallin, der Hauptstadt von Estland) oder „340 Millionen Menschen sind Vorbild genug“ (die Anzahl der Vegetarier in Indien)

Fragen über Fragen. Wer möchte kommentieren?

(Text: Malik Deutrich, Justin Dreher, Florian Kirchesch)

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